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ZUR GESCHICHTE DER VILLA WIESER
 

Etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts wanderte der aus dem heutigen Belgien stammende Conrad Peters in Herxheim ein. Bald darauf betrieb er ein Krämergeschäft in dem Anwesen, das im Osten an den Kirchberg grenzt. Er war ein wohlhabender Mann, der sich in den Wirren der Französischen Revolution klug zurückhielt und als gemäßigt galt. Er hatte sechs Kinder, von denen die drei Töchter ehelos blieben. Sein ältester Sohn Leonhard führte wie der Vater ein Krämergeschäft im heutigen "Schwanen". Als 1793 die deutschen Truppen vor den herandrängenden Franzosen zurückweichen mussten, plünderten sie seinen Laden vollständig aus. Leonhard Peters fuhr dem "Raubgesindel" bis ins Rechtsrheinische nach, um wieder an sein Eigentum zu kommen. Damit setzte er sich aber dem Verdacht aus, vor den anrückenden Franzosen zu fliehen und galt zunächst als Emigrant, dessen Güter beschlagnahmt werden konnten. Denn sein nächstjüngerer Bruder, Adrian Peters, war an jenem schlimmen Dezemberende 1793 vor den anrückenden Franzosen geflohnen. Er war Bierbrauer in der Brauerei oberhalb des heutigen Altenzentrums, jetziges Anwesen Gauly, und hatte in die reiche Familie Rassenfoß eingeheiratet. Der jüngste der drei Brüder, Conrad Peters, führte als Kaufmann das Geschäft seines Vaters neben dem Kirchberg weiter, der 1794 verstorben war.

Der Bierbrauer Adrian Peters starb schon mit 37 Jahren im Januar 1810. Das älteste seiner drei Kinder war erst zehn Jahre alt. Deshalb übernahm sein gleichnamiger Neffe, der Sohn von Leonhard Peters, die Brauerei. Er wohnte aber weiterhin im elterlichen Haus, im heutigen Café "Zum Schwanen". Er hatte ebenfalls drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn. Dieser wurde am 08. November 1808 geboren und erhielt den Namen seines Großvaters Leonhard Peters. Sicher arbeitete er in der Brauerei seines Vaters mit, der am 1. Dezember 1828 starb. Leonhard Peters musste nun schon mit 20 Jahren den Betrieb führen.

Aber dazu war er anscheinend nicht in der Lage. Der Volksmund weiß zu berichten, dass er gar zu gern die Tochter des Ochsenwirts geheiratet hätte, der schräg gegenüber wohnte, dort, wo heute die Raiffeisenbank ist. Die Tochter aber soll zu ihrem Vater gesagt haben: "Diesen Lottel nehme ich nicht als Mann!"

Erzählt wird auch, dass Leonhard Peters aus Liebeskummer und verletztem Stolz Herxheim dann verlassen habe. Doch könnten auch wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend gewesen sein, denn kurze Zeit darauf ist die Brauerei im Besitz von Bürgermeister Georg Brauner.

Bis 1816 waren alle Herxheimer französische Staatsbürger und die Kinder der gehobenen Klasse sprachen auch französisch. Leonhard Peters wanderte nach Frankreich aus, bekam die französische Staatsbürgerschaft. Er heiratete die Französin Maria Sophie Franzisca Bellot und lebte in St. Germain bei Paris in der "Rue d'Alsace", Nr. 14.

Schon mit 48 Jahren gibt er als Berufsbezeichnung "Rentner" an. Das waren damals wie heute Leute, die von dem Zins oder der Rendite aus Sach? und Geldkapital lebten. Doch konnte Peters im Gegensatz zu den heutigen Sozialrentnern ausschließlich von den Zinsen seines eigenen Kapitals leben. Finanziell muss es ihm sehr gut gegangen sein, zumal er keine Kinder hatte.

Vielleicht packte ihn deshalb oft das Heimweh nach Herxheim. 1855 war Landau an das Eisenbahnnetz angeschlossen worden; nächste Bahnstation für Herxheim war Insheim, so dass er in einem oder in zwei Tagen seine Heimat erreichen konnte.

Er wollte und konnte nun den Herxheimern beweisen, dass aus dem "Lottel" etwas geworden war und beschämte sie durch seine Großmütigkeit. Für das im Jahre 1855 gegründete Armenhaus stiftete er 5000 Francs, wodurch er ".. der hiesigen Gemeinde für deren ganze Zukunft eine unvergessliche Wohltat erwiesen, die nur Gott vergelten kann...". Nach weiteren Spenden beabsichtigte der Herxheimer Gemeinderat, Leonhard Peters die Ehrenbürgerrechte zu verleihen. Schließlich vermachte Peters dem Armenhaus eine große Wiese mit der Auflage, dass die Gemeinde Herxheim für ewige Zeiten das Familiengrab Peters pflege.

Älteren Herxheimern wird das Familiengrab der Familie Peters in der Mitte des früheren "Kinderkirchhofs" neben dem westlichen Friedhofsweg in Erinnerung sein. Es wurde in den 50er Jahren beseitigt. Frau Gertrud Wieser, die durch Zufall davon hörte, konnte die Grabplatten retten und brachte sie auf dem Gelände der Villa Wieser in Sicherheit. Dankenswerterweise hat sie Herr E. Gustin vor dem jetzigen Umbau des Anwesens geborgen, so dass die Gemeinde ihr gegebenes Versprechen wieder wahr machen kann.

In den Jahren 1856/57 kaufte Leonhard Peters schließlich die Gehöfte der Familie Johannes Müller und der Witwe Harter neben der Apotheke Dilg. Er ließ Wohngebäude und Scheunen abreißen und errichtete die "Villa Peters", die ihresgleichen in Herxheim suchte. In dem hinteren Teil des parkähnlich angelegten Gartens soll sich sogar ein großes Wasserbecken befunden haben, das sich im Sommer als Freibad eignete.

Wer sich etwas Großes vornimmt, spannt alle Kräfte dafür an. Hat er das Ziel erreicht, lassen Spannung und Interesse nach. So scheint es auch Leonhard Peters ergangen zu sein. Er hatte sich den Herxheimern und seiner früheren Angebeteten bewiesen. Auf der anderen Seite musste er wahrscheinlich feststellen, daß man sich Ansehen nicht allein durch Vorzeigen von Reichtum erkaufen kann und daß es den Leuten schwerfällt anzuerkennen, dass es andere weitergebracht haben. Seine Besuche in Herxheim wurden seltener, hörten ganz auf. Er starb, am 5. August 1887. Seine Frau überlebte ihn um elf Jahre. Beide liegen auf dem Friedhof in St. Germain bei Paris begraben.

Am 13. Dezember 1861 erhielt der praktische Arzt Dr. Eduard Schmitt von der Regierung in Speyer die Niederlassungserlaubnis für Herxheim. Dr. Schmitt, der in Rockenhausen praktizierte, hatte sich um die Stelle beworben. Er war verheiratet mit Maria Schulz aus Herxheim. Deren Mutter soll die heimliche Liebe des Leonhard Peters gewesen sein. Dr. Schmitt machte am 1. Januar 1862 seine Arztpraxis in der Villa Peters auf und wurde kurze Zeit darauf Eigentümer des prachtvollen Hauses. Deshalb bekam das Anwesen mit der Zeit den Namen "Villa Schmitt" oder "Schlößchen Dr. Schmitt", wie auf einer Ansichtskarte um die Jahrhundertwende zu lesen ist. Eine bespannte Kutsche hält auf dem Bild vor dem Anwesen. Sie soll den Zweck der beiden kleineren Gebäude erläutern, die an den beiden Flanken an der Straßenfront stehen: links die Wohnung des Kutschers mit Wohn? und Schafraum und rechts die Remise für die Kutsche und dahinter der Pferdestall. Die beiden einstöckigen Neckbauten stellen einen architektonisch gelungenen Übergang des parkähnlichen Vorplatzes der Villa zur geschlossenen Bauweise der Herxheimer Hauptstraße dar. Dr. Schmitt war 68 Jahre alt, als sein Sohn Dr. Eduard Schmitt im Jahre 1898 die Ärztliche Niederlassungserlaubnis für Herxheim erhielt. Er scheint seinen Vater zunächst unterstützt und dann die väterliche Praxis selbst weitergeführt zu haben. Anscheinend gefiel ihm aber seine Aufgabe in Herxheim nicht. Nach fünfjähriger Dorfpraxis verließ er Herxheim und wurde Landarzt in Edesheim. Später war er Amts? und Gerichtsarzt in Landau. Sein Vater, Dr. Eduard Schmitt, starb am 5. Sept. 1903. Vierzehn Tage vorher erhielt der aus Freudenberg bei Siegen stammende Dr. Otto Wieser vom Königlichen Bezirksamt Landau seinen Approbationsschein für seine ärztliche Tätigkeit in Herxheim. Er übernahm die Praxis von Dr. Eduard Schmitt jun. und wurde kurz darauf neuer Eigentümer des Villengebäudes, das mit der Zeit nach ihm benannt wurde.

Neben dem einige Häuser unterhalb praktizierenden Arzt Dr. Ohmer war Dr. Otto Wieser der einzige Landarzt in der großen Gemeinde Herxheim. Er hatte eine gut besuchte Praxis, die er über 40 Jahre führte. Er starb am 7. April 1947 und liegt wie sein Vorgänger auf dem hiesigen Friedhof begraben. Dr. Martin Oskar Lutz aus Landau war ab September 1948 Nachfolger von Dr. Wieser. Nur ganz kurze Zeit benutzte er die Räumlichkeiten der Villa als Praxis, danach für einige Jahre die Räume der ehemaligen Kutscherwohnung, ehe er sich "Am Bildstöckel" selbständig machte. Das Hauptgebäude der Villa wurde nun von der Tochter Gertrud Wieser bewohnt, das Dachgeschoss des Hauses vermietet. Mit der durch das Alter bedingten Aufnahme von Frau Gertrud Wieser in das hiesige Altenzentrum St. Josef stand das Gebäude längere Zeit leer, drohte zu verfallen und wurde zeitweise von Nichtsesshaften als Nachtlager aufgesucht.

In längeren Verhandlungen mit Frau Wieser gelang es der Gemeinde im Dezember 1980 deren Erbanteil an der Villa ? er betrug ein Viertel ? zu erwerben. Schließlich konnte am 24. Aug. 1981 der Hauptteil des Anwesens von der Erbengemeinschaft Ernst Wieser gekauft werden. Mit dem Kauf des historischen Anwesens und großen Grundstücks schuf die Gemeinde Herxheim die Voraussetzung, den Dorfmittelpunkt neu zu gestalten.

Geschichtlich gesehen schließt sich ein Kreis, der in den Jahren der Französischen Revolution zertrennt worden war: Das heutige Rathaus und das Gelände der Villa Wieser gehörten bis 1793/94 zusammen. Auf dem Platz des Rathauses hatte der Adelige Stephan de Colommé kurz vor der Revolution sich ein kleines Schößchen erbaut, zu dem auch das Land südlich der Hauptstraße als Garten gehörte. Das Schlösschen ging in den Revolutionsjahren in Staatseigentum über und konnte schließlich im Jahre 1823 mit dem groben Schlossgarten nördlich davon von der Gemeinde Herxheim erworben werden.

Hier entstand 1824/25 das Schul? und Rathaus, das vor wenigen Jahren dem heutigen Rathaus weichen musste. Das Gartengelände südlich der Hauptstraße wurde an Private verkauft und mit Häusern bebaut. Ein Teil davon ist mit dem Erwerb des Anwesens Wieser in gemeinsamem Besitz zurückgekehrt

Egon Ehmer (Mörlheim)
 


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