Wie kein anderes Gewerbe hat in Herxheims Vergangenheit der Anbau von Tabak und dessen Verarbeitung für Lohn und Brot gesorgt. Bis 1954 war Herxheim die größte tabakanbauende Gemeinde Deutschlands in Bezug auf Anbaufläche und Ertrag. Der Tabakanbau hat Tradition im Ort. Um 1860, als der Anbau von Hanf und Flachs unrentabel wurde, führte man Tabak von Hayna in die Gemarkung ein. Günstige Standortfaktoren wie mildes Klima, optimale Niederschlagsverhältnisse und entsprechende Bodenbeschaffenheit machten die Kultivierung möglich. Hanf und Flachs wurden durch die neue Kultur verdrängt und sind heute völlig unbekannt.

1879 wurde die erste Herxheimer Zigarrenfabrik gegründet. Bis 1893 war Jakob Wagner damit der einzige Zigarrenfabrikant im Ort. In den nächsten 30 Jahren gab es jedoch eine enorme Ausweitung der Anbauflächen und damit einher gingen 40 Neugründungen von Fabriken - Kleinstbetriebe, aber auch ein Betrieb mit 120 Beschäftigten. In den späten 20er Jahren fanden rund 1400 Menschen hier Arbeit. Etwa 500 eingetragene Pflanzer bewirtschafteten zu dieser Zeit ca. 270 ha Fläche. Den Beschäftigten eingeschlossen sind die vielen Frauen, die als Hausarbeiterinnen den Familien einen kleinen Zuverdienst brachten. Kinder mussten während der Erntezeit nachmittags als "Einleser" mithelfen. Ihre Arbeit bestand darin, mit Nadel und Faden die geernteten Tabakblätter aufzufädeln und so fürs Trocknen in den Trockenschuppen vorzubereiten.

Nur wenige Zigarrenfabriken konnten sich über längere Zeiträume halten. Ende der 50er Jahre war man gezwungen, das ganz auf den Tabak ausgerichtete wirtschaftliche Gefüge des Ortes zu überdenken. Veränderten sich bisher Tabakfläche und Pflanzerzahl im gleichen Verhältnis zueinander, so setzte ab 1960 eine neue Entwicklung ein. Nun war die Flächenreduzierung gering, die Zahl der Betriebe nahm stark ab. Großbetriebe konnten unter Einsatz neuer technischer Hilfsmittel mehr produzieren als die ansässigen Kleinbetriebe. Der damalige Bürgermeister bemühte sich um die Ansiedlung neuer Industriezweige (z. B. Autoradio Akkord). Doch blieb der Tabak ein wichtiges Element der Landwirtschaft Herxheims. Einen Aufschwung erlebte der Tabakbau noch einmal in den 70 er und 80er Jahren. Anstelle vom althergebrachten Versteigerungsverfahren traten nun Verträge mit kalkulierbaren Preisen zwischen Tabakproduzenten und Verarbeitern.

Doch der Preisdruck konnte nicht gestoppt werden. Zur Zeit gibt es noch rund 30 tabakanbauende Betriebe im Ort. Hauptproblem ist in der Regel die Betriebsnach-folge.
Die Anzahl der im ganzen Ort verteilten Trockenschuppen lassen den früheren Stellenwert der Tabaks nur erahnen. Ganze "Schuppenstrassen" und Schuppenensembles geben dem Ort sein spezifisches Erscheinungsbild und seine ganz eigene Charakteristika.
Besonders nach der Erntezeit, wenn der Tabak in den Tabakschuppen hängt, sollte man sich bei einem Spaziergang vom ganz besonderen Flair und dem die Luft er-füllenden würzigen Duft einfangen lassen.
 
 
 
 
 
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