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Dorfplatz mit Dorfbrunnen - Gedanken zur architektonischen und künstlerischen Konzeption von Gernot Rumpf und Reinhard Bachtler |
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| Die Gemeinde Herxheim hat in den vergangenen Jahren die Entwicklung des Ortskernbereiches nachhaltig und erfolgreich betrieben. Auf der Basis des Dorferneuerungs- und Sanierungskonzeptes sind zahlreiche Maßnahmen im öffentlichen Bereich durchgeführt und ergänzende private Baumaßnahmen ermöglicht worden. |
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| Durch Ausbau und Gestaltung von Plätzen, Grünanlagen und Straßen, Neubau des Rathauses sowie Sanierung und Ausbau der Villa Wieser zum Kulturzentrum ist ein erlebbarer, nutzbarer, gestalteter Mittelpunkt der Ortstruktur entstanden. |
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| Der Dorfbrunnen fügt sich in diese Gesamtkonzeption ein und setzt einen wesentlichen Akzent in der Raumstruktur des Ortskernes. Der Brunnen zwischen Rathaus und Kulturzentrum direkt an der Hauptstraße gelegen hat somit einen bedeutenden Standort als erlebbarer Mittelpunkt der Ortstruktur. Die unmittelbare räumliche Situation ist geprägt durch die architektonische Gestalt des Vorplatzes der Villa Wieser, wobei Rathaus und Villa sich achsial gegenüber stehen und der Brunnen die Mitte dieser Achse bildet. Die Achsialität wird durch die symmetrische Anlage der beiden Nebengebäude der Villa Wieser - Kutscherhäuschen und Remise -, sowie der beiden dominanten Kastanienbäumen unterstrichen. |
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| Die klassische Architektur des Rathauses sowie das einem französischen Landschlösschen ähnelnde Ambiente der Villa Wieser prägt den Charakter des Bereiches ebenso wie die ausladenden Bäume und die Grünflächen. |
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| Unter diesen Vorgaben stellten sich an die Konzeption des Brunnens bestimmte Bedingungen, die architektonisch und künstlerisch umzusetzen waren. Es wurde eine Anlage geschaffen, die der Bedeutung des Platzes in Bezug auf Funktion der Ortstruktur sowie der architektonischen Gestalt der direkt zugeordneten Gebäude und Platzflächen entspricht. |
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| So entstand die Konzeption des Brunnens als zentrale Figur mit deutlich ablesbarem Mittelpunkt und zentraler Wasserfläche. Ausgehend von diesem Mittelpunkt entwickeln sich rechtwinklig zueinander stehend Haupt- und Nebenachse, die den Brunnen in die örtliche Situation einspannt und direkte Beziehungen zu den umliegenden Gebäuden aufnimmt. Durch Absenken des zentralen Bereiches, der wenige Stufen tiefer liegt als die Platzfläche, entsteht ein ruhiger klar definierter Raum, der zum Verweilen, Betrachten und Erholen einlädt. |
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| Durch die Wahl des Standortes der einzelnen Bronzeplastiken wird die zentrale, achsiale Komposition zusätzlich unterstrichen. |
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| Bei der Auswahl der Themen für die bildhauerische Gestaltung wurden Elemente, gewählt, die die Gemeinde Herxheim charakterisieren. So ist die Tabakstaude und das Rennpferd ebenso vertreten wie das Motorrad und das historische Symbol der Brotweihe. Das Einhorn als geheimnisvoller Verwandter des Pferdes aus dem Reich der Phantasie sowie der Herxheimer Tabakshase als Neuschöpfung ergänzen das Themenspiel. |
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| Bei der Auswahl der Themen ging es allerdings nicht darum diejenigen Elemente zu wählen, die die Geschichte oder die Gegenwart der Gemeinde am besten widerspiegeln; sondern - und dies ist ein wesentlicher Aspekt - es wurden plastische Elemente gewählt, die bildhauerisch umzusetzen sind, die die Kreativität und Phantasie des Künstlers entfachen können, und die zudem geeignet sind, die architektonische Konzeption der Anlage zu unterstreichen. |
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| So sind die Tabakstauden nicht ins Zentrum des Brunnens gestellt, weil Tabak das zentrale oder wichtigste Element der Gemeinde ist, sondern weil eine Tabakstaude als Punktplastik, die nach allen Richtungen die gleiche gestalterische Wirkung hat, verwendet werden kann. Einhorn und Pferd dagegen haben naturgemäß ein Vorne und Hinten, geben also eine Richtung vor und stehen somit auf Achse zueinander. |
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| Dasselbe gilt für das Motorrad, das den Anfang der Hauptachse bildet. Der Brotkorb als Endpunkt der Hauptachse ist zwar ähnlich wie die Tabakstaude ein in sich ruhendes Element, ist jedoch durch einen Wasserlauf mit dem Zentrum direkt verbunden, wodurch das achsiale Prinzip wiederum unterstrichen wird. |
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| Die Tabakshasen ergänzen die Komposition und sind bewusst gegen das Achsen- und Zentralprinzip angeordnet, um die statische Ruhe der Anlage zu brechen, und um als lebendige, liebenswerte, "Unordnung stiftende" Elemente Akzente zu setzen. Dabei sind die Bronzeplastiken nicht nur zum Betrachten geschaffen, sondern können ihrer Eigenart gemäß "benutzt" werden - das Einhorn und das Pferd kann geritten, der Sulky des Pferdes und das Motorrad bestiegen werden - und bieten sich somit zur Beschäftigung, zum Spielen, zur Betätigung an. |
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| Durch das Wasser, das aus den Plastiken in unterschiedlicher Weise hervorquillt, sprudelt oder spritzt, in Rinnen läuft oder in Becken ruht, wird die Anlage erst richtig zum Leben erweckt. Es entsteht hierbei ein Wechselspiel zwischen Architektur, Plastik und Wasser, in welches der Mensch sich je nach Belieben einfügen kann - als Betrachter oder Teilnehmer. |
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| Die Brunnenanlage ist in ständigem Dialog zwischen Planer und Bildhauer entwickelt worden, wobei Architektur und Kunst sich gegenseitig beeinflusst haben und nun sich zu einem Gesamtwerk ergänzen, das sich harmonisch und akzentsetzend in den Ortsmittelpunkt einfügt. |
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